Lokale Schätzchen aus Ratingen

Inhaltsverzeichnis


Erfolgreicher Fechternachwuchs
beim Ratinger Fechtclub

Dominik Römer und Daniel De Falco wollen in Lehmanns Fußstapfen treten

Von PETRA GRüNENDAHL

RATINGEN. „Bei einer Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen zu fechten, das wäre schon was“, sind sich Daniel De Falco (13, Foto oben links) und Dominik Römer (12, Foto unten rechts) einig. Bis es soweit ist, müssen die beiden jungen Säbel-Fechter aber noch viele Jahre trainieren.

Erfolgreich ist für die Nachwuchs-Fechter des Ratinger Fechtclubs (RFC) die vergangene Saison zu Ende gegangen: Mit der Deutschen B-Jugend-Meisterschaft für Dominik und dem Vizemeister-Titel für Daniel. Jetzt ist erst einmal Erholung beim Familienurlaub angesagt.
Aber gleich nach den Ferien geht es mit dem Training weiter, im Oktober folgen die ersten Turniere der neuen Saison. Und da wollen die beiden Jungen natürlich wieder vorne dabei sein. Viermal die Woche, montags bis donnerstags, steht Training in der Sporthalle der Elsa-Brandström-Schule auf dem Plan.

Noch ein Jahr werden sie in der Altersklasse „B-Jugend“ fechten. Im Verein trainieren sie bereits mit den „Großen“, in der Gruppe mit A-Jugend (14-17), Junioren (17-20) und Aktiven (über 20). „Bei den Kleinen lernen wir nichts mehr“, meinte Daniel. Da werden sie bei den „Großen“ schon etwas mehr gefordert – und gefördert.

Bereits mit sieben Jahren sind die beiden zum RFC gekommen, auf Vorschlag der Väter. Mit neun fochten sie ihre ersten Turniere in der Altersklasse der „Schüler“ (9-12). Daniels jüngerer Bruder Mario (9) fechtet mittlerweile auch, Dominiks Schwester Madeleine (10) hat jedoch keine Ambitionen.
Daniel ist schon lange an der Spitze mit dabei: erste bis dritte Plätze bei Turnieren „sammelte“ er schon seit Jahren. Drei mal war er Landesmeister, die Stadtmeisterschaft gewann er im vergangenen Jahr, wurde in diesem Jahr zweiter – und Deutscher Vize-Meister, jeweils hinter Dominik.

Dominiks bisherige Erfolge sind nicht ganz so beeindruckend: Unter die letzten Acht hat er es immer geschaft, aber auf dem Siegertreppchen bestenfalls auf Platz drei. Bis zum November 1996: Mit seinem Sieg beim Turnier von Tauberbischofsheim war der Knoten geplatzt und auch Dominik mischte ganz vorne mit: die Stadtmeisterschaft und der Deutsche Meister waren seine bislang größten Erfolge.

Rivalität gibt es zwischen den beiden nicht, auch wenn sie mittlerweile direkt um den ersten Platz „konkurrieren“. Mal siegt der eine, Mal der andere. In den nächsten Jahren werden sich die beiden noch zu vielen Duellen auf der Planche gegenüberstehen, was ihrer Freundschaft keinen Abbruch tut.

Im Moment sind die beiden bei der B-Jugend ganz oben. „Wenn es in einem Jahr zu A-Jugend-Turnieren geht, wird es schwer für uns“, erklärte Dominik. „Wir sind dann erst einmal die Jüngsten und müssen uns hochkämpfen. Da werden wir nicht so dominieren wie im Moment in der B-Jugend“, stimmte Daniel zu.

Beide wollen einmal in die Fußstapfen der erfolgreichen RFC-Fechter, wie beispielsweise Achim Gesser, Martin Kindt oder Falko und Eero Lehmann, treten. Was nicht heißt, daß die beiden nur Fechten im Kopf hätten. Daniel geht mit seinem Vater zu Spielen der Fortuna und baut ferngesteuerte Autos. Dominik hält sich beim Streetbasketball und auf Inline-Skates fit und hört gerne Musik. Beide spielen Fußball und begeistern sich für Computerspiele wie so viele andere Jungen in ihrem Alter auch.


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Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, vom 21. Juli 1997



Begeisterte Zuhörer beim ersten Klönabend
zur Geschichte Tiefenbroichs


Weideland der Stadt Ratingen

Von PETRA GRüNENDAHL

 

TIEFENBROICH. Die Geschichte Tiefenbroichs stand im Mittelpunkt des Klönabends „Alt Tiefenbroich“, den der Gartenbau- und Heimatverein Tiefenbroich veranstaltete. So erzählte beispielsweise der 82jährige Heinrich Gräfer zum Teil in Mundart aus der Zeit seiner Jugend.

Wenig alte Bausubstanz

Mit zwei Werken des Tiefenbroicher Mundart-Erzählers und Dichters Erwin Wuillemet leitete Walter Schönfelder, Vorsitzender des Gartenbau- und Heimatvereins, seinen Beitrag ein, den er mit einem Dia-Vortrag mit Bildern aus dem alten Tiefenbroich bereicherte. Peter Tieves stand ihm dabei hilfreich zur Seite. Bilder von restaurierten Denkmälern des mittelalterlichen Ratingen hatte Herbert Zöls zur Verfügung gestellt. Die Bilder vom „alten Tiefenbroich“ stammten dagegen aus diesem Jahrhundert, obwohl Tiefenbroich erheblich älter ist. Heute gibt es jedoch kaum noch bauliche Zeugen aus dieser Zeit: Der Ortsteil wirkt mittlerweile wie ein moderner Vorort mit großem Industriegebiet. Tatsächlich ist Tiefenbroich aber so alt wie Ratingen, zu dem es außer in den Jahren 1910 bis 1929 stets gehörte.

Ratingen und Tiefenbroich entstanden beide aus der alten Mark Ratingen. Dabei war Tiefenbroich das im Gemeingut stehende „öffentliche Weideland des Dorfes respektive der Stadt Ratingen“. 1358 erfolgte dann eine Teilung, die als erste Gemeinheitsteilung im Herzogtum Berg bemerkenswert ist. Bis 1450 führte Tiefenbroich den Namen Heide (Mirica), wie es auch im ältesten Ratinger Kirchenbuch, dem Code Ratingensis, verzeichnet ist. Bei der erwähnten Teilung wird es als Erlenbruch, genannt das „Dytenbruch“, bezeichnet.

1399 erscheint dann der Name „Deipenbroick“, 1539 „Diefenbrock“, was dann zu „Diepenbroick“ und schließlich zu „Tiefenbroich“ wird. Auch als „Außenbürger“ der Stadt Ratingen wurden die Tiefenbroicher zeitweilig bezeichnet.

Die Dorfgemeinschaft bestand aus fünf größeren Höfen – Heider-, Sacker-, Büsgeshof, Schönebeck und Schimmershof – sowie vielen kleinen Höfen und Kothen. Ihre Namen findet man auch heute noch, wenn auch meist als Straßennamen: Kixberg, Götschenbeck, Holterhof, Hauscheid, Rosenkothen, Heidkamp, Feldkothen, Biermannskothen, Söttgen und Hof Dörnen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im Meßbuch der Pfarre Ratingen aus dem 12. Jahrhundert heißt es, daß 48 Besitzungen zur Ortschaft gehörten.

Das Gemeinwesen

Marienkirche

Marienkirche

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Tiefenbroich eine Volksschule. „überbleibsel“ dieser Schultradition sind die beiden Grundschulen, Martinschule und Gerhard-Tersteegen-Schule.

Zur Kirche mußten die Tiefenbroicher noch lange nach Ratingen. Erst 1919 wurde das Rektorat St. Marien gegründet, 1923 dann der Grundstein für die alte, mittlerweile wegen Baufälligkeit abgerissene Marienkirche (Zeichnung) gelegt. Gebaut hatte sie übrigens Pfarr-Rektor Johannes Kaiser, ein gelernter Zimmermann, mit Helfern aus seiner Gemeinde.

Baubeginn für die heutige Marienkirche sowie die Evangelische Kirche, heute Paul-Gerhard-Kirche (Foto unten), war erst 1955.

Ev. Paul-Gerhard-Kirche

Ev. Paul-Gerhard-Kirche

Die Einwohnerzahl wird 1832 mit 291 angegeben, wovon 272 katholisch und nur 19 evangelisch waren. 1885 wurden dann 334 Einwohner gezählt, und 1900 sollen es 477 gewesen sein, davon 377 Katholiken und 100 Protestanten. 60 Häuser waren vorhanden. Bis 1914 gab es nur Feldwege und – noch keine offiziellen Straßenbezeichnungen. 1931 erscheinen im Adreßbuch Ratingens unter Tiefenbroich 11 Straßenbezeichnungen. 1936 waren es 13. Es gab 164 Häuser und 1180 Einwohner. 1938 waren es 200 Häuser mit 1425 Einwohnern und 1943 dann schon 1988 Einwohner.
Die Entwicklung zum modernen Vorort setzte in der bis dahin dörflichen Gemeinschaft nach dem 2. Weltkrieg ein. Die Einwohnerzahl stieg bis 1950 auf 2470, 1957 auf 3774 und 1969 auf fast 5000.

Wer weiß mehr?

Die Entwicklung Tiefenbroichs als Wohngebiet ist durch den Flughafen eingeschränkt. Die Einwohnerzahl, die für 1989 mit 7210 angegeben worden ist, sinkt stetig, wenn auch leicht und lag im Januar 1993 bei 7090. Dafür ist ein neues Gewerbegebiet mit neuen Bürogebäuden entstanden. Erst seit neuestem wird mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen versucht, den Verkehr aus den Wohngebieten herauszuhalten und über die vorgesehenen Straßen ins Industriegebiet zu leiten.

Das Interesse der Tiefenbroicher an ihrem Stadtteil hat in den letzten Jahren zugenommen. Dafür sprechen die Gründung eines Bürgervereins, aber auch das Interesse, das die Tiefenbroicher dem Klönabend des Gartenbau- und Heimatvereins entgegenbrachten. Alle Vorträge kamen im vollbesetzten Saal des „Jägerhofes“ sehr gut an. Walter Schönfelder will die Anregungen der begeisterten Besucher aufnehmen und solche Abende regelmäßig einmal im Jahr veranstalten. Für den nächsten Tiefenbroicher Klönabend sucht er noch Bilder, Postkarten und Veröffentlichungen


Tiefenbroich im Internet:

  • Ratingen-Tiefenbroich online
  • Die Jägerkompanie der St. Sebastianus-Bruderschaft Tiefenbroich
  • Das St.-Suitbertus-Tambourkorps der St. Sebastianus-Bruderschaft Tiefenbroich

Natürlich ist die Stadt Ratingen ebenfalls im Internet vertreten. Darüber hinaus gibt es Ratingen Online und einen Regionalen Marktplatz Ratingen.


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Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, vom 6. November 1993



Benedict Schneider neuer Pagenkönig

Es wurde scharf geschossen

Von PETRA GRüNENDAHL

RATINGEN. Scharf schießen durften auch die 5- bis 14jährigen bei der Ermittlung des neuen Pagenkönigs. Geschossen wurde jedoch nicht mit Gewehren, sondern mit Fußbällen auf die Torwand.

überhaupt war Treffsicherheit gefragt, als die Kinder des Pagencorps der St. Sebastiani-Schützenbruderschaft aus ihrer Mitte Benedict Schneider (7), den Großneffen des Schützenchefs Karl-Heinz Schneider, als neuen Pagenkönig ermittelten. Neben dem Torwandschießen standen Ball-, Dosen- und Ringewerfen auf dem Programm der „kleinen Schützen“. Zum abschließenden Karten ziehen – die Punkte der Karte wurden zu den Spielepunkte addiert – konnte Fortuna noch ein bißchen nachhelfen, wenn es denn mit der Triffsicherheit nicht so ganz gereicht hatte.

Mehr oder weniger unter sich – die anderen Kinder zog es doch eher auf die Kirmes mit Autoscooter, Shaker oder Raupe -, angefeuert von ihren Eltern, bestritten 19 Kinder des Pagencorps nach dem Motto „Spiel und Spaß“ die Wettspiele am Schießstand. Und Spaß hatten die Kinder reichlich.

Für Chancengleichheit hatten die beiden Betreuerinnen Elsa Hoffmann und Ellen Philippen gesorgt. Sie hatten unterschiedliche Entfernungen markiert, von wo aus die Kinder werfen mußten: die Kleineren durften einen guten Schritt näher dran.

Teilnehmen dürfen an den Wettspielen auch die Mädchen, jedoch nur außer Konkurrenz, denn Pagenkönig kann tradtionsgemäß nur ein Junge werden. Unter den 19 Kindern waren denn auch 17 Jungen. „Eine gute Beteiligung“, fand Elsa Hoffmann.

Für den siebenjährigen Benedict war es allerdings in diesem Jahr das letzte Mal, daß er bei der Ermittllung des Pagenkönigs teilnehmen konnte. Pagenkönig darf man nämlich nur einmal werden. Jetzt ist Benedict gesperrt. Erst mit 14 darf er wieder Königsehren anstreben und beim Schülerkönigsschießen mitmachen, dann aber mit einem richtigen Gewehr.

Auf die Frage, ob er denn auch einmal „großer Schützenkönig“ werden wolle, zuckte Benedict nur die Schultern und meinte: „Vielleicht!“


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Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, vom 4. August 1998



Eishockey-Fan-Treffen: Aktien der
Ratinger Löwen sind gesunken


Nur einer kam im Trikot
– von Ian Wood

Von PETRA GRüNENDAHL


BREITSCHEID. „Das wird ein Spaß: Wir treffen uns am Ostbahnhof und fahren mit der 760 zum Auswärtsspiel – gegen die Löwen zur Ratinger Eishalle. Aufstellen werden wir uns dann natürlich auf der Tribünenseite für die auswärtigen Fans.“ In Gedanken waren manche Fans schon in der kommenden Saison, nachdem die Entscheidung des Landesverbandes, sowohl die Löwen als auch die Ice Aliens in der NRW-Liga spielen zu lassen, die Runde gemacht hatte.

Die zukünftige Entwicklung des Ratinger Eishockeys war das Thema auf dem dreitägigen Eishockey-Fanclub-Treffen, welches der Fanclub Bandencheck traditionell auf der Sportanlage des TuS Breitscheid veranstaltet. Diskussionsstoff gab es reichlich, da just an diesem Wochenende die Entscheidung des Landesverbandes anstand.

Neben Fans und Fanclubs aus Ratingen, Essen, Düsseldorf, Krefeld oder Gelsenkirchen waren natürlich auch Clubs von weiter her angereist und hatten auf der Wiese neben dem Sportplatz ihre Zelte aufgeschlagen: Fans der Berlin Capital, aus Sonthofen, Nürnberg, Rosenheim, von den „falschen“ Löwen aus Frankfurt oder auch aus Herford, die zusammen mit den Ratinger Vereinen in der NRW-Liga spielen werden. Verschiedenste Ratinger Fanclubs hatten ebenfalls ihren Weg nach Breitscheid gefunden, wie man an den Trikots unschwer erkennen konnte. Nur ein einziger trug ein Löwen-Trikot – mit dem Schriftzug „Wood“ unter der Rückennummer, dem Trikot des gefeuerten Torhüters und Publikumslieblings Ian Wood.

Nicht erst die Entscheidung des Landesverbandes brachte Stimmung unter den Fans. Eine Spaß-Olympiade unter dem Motto „dabeisein ist alles“ brachte nicht nur Spiel und Spaß auf dem Sportplatz, sondern auch bei der Siegerehrung, weil auf allen Pokalen – und nicht aus Versehen – 1. Platz stand.

Spaß, gute Stimmung und Feiern war angesagt an diesem Wochenende. DJ Andreas Eichler sorgte für tolle Musik, aber der Höhepunkt waren eindeutig die „Blues Brothers“, deren Auftritt auf dem Breitscheider Fan-Treffen mittlerweile vielbejubelte Tradition ist.

„Unser Löwe kommt aus dem Ratinger Stadtwappen, also können wir uns auch weiterhin ,Löwen auf Rädern‘ nennen.“ Eine ganze Reihe Ratinger Fanclubs hat die „Revier-Löwen“ abgehakt: „Das ist keine Ratinger Mannschaft“, war vielfach zu hören. Ganz ignorieren werden die Fans die ehemaligen „Ratinger“ Löwen jedoch nicht: „Ich werde mir warscheinlich zwei Spiele der Revier-Löwen ansehen: die in Düsseldorf.“

Auch die zweite Mannschaft des ECR ist für viele kein Thema: „Zur 1b der Löwen wäre ich nicht gegangen, dann wohl schon eher mal nach Oberhausen. Mit den Aliens bleibt für uns Eishockey in Ratingen attraktiv: Das ist ein Neuanfang, nachdem uns der Löwen-Vorstand jahrelang verarscht hat“, erklärte ein Fan. Ein anderer meinte: „Wenn jemand sagt: ich möchte DEL-Eishockey sehen, dann ist es ok, wenn er nach Oberhausen fährt. Ich bleibe in Ratingen und gehe zu den Aliens!“


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Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, vom 30. Juni 1997


Nicht ganz ernst zu nehmen ist dieser „Artikel“
aus dem Ratinger „Westend“

Anlaß war eine dpa-Meldung vom 17. April 1996,
veröffentlicht in der Rheinischen Post
am 18. April 1996

NRW-Ministerin kündigt an: Armutsviertel erhalten Geld

DüSSELDORF (dpa). Stadtentwicklungsministenin Ilse Brusis (SPD) will 21 Armutsviertel in Nordrhein-Westfalen mit 30 Millionen Mark fördern. Diese „Armutsinseln“ seien geprägt durch hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde Kaufkraft, Kriminalität und veraltete Bausubstanz, sagte die Ministerin anläßlich der Vorstellung des Städtebauförderungsprogramms 1996. Die 21 Armutsviertel, die in das Förderprogamm aufgenommen wurden, sind: in Dortmund die nördliche Innenstadt und Scharnhorst, in Hagen Vorhalle, in Hamm der Norden, in Herne Horsthausen, in Siegen Fischbacherberg, in Duisburg Bruckhausen und Marxloh, in Essen Katernberg, in Monheim das Berliner Viertel, in Oberhausen das Knappenviertel, Ratingen West, Solingen-Fuhr, Bonn-Dransdorf, in Köln Chorweiler und Kalk, in Ahlen der Süd-Osten, in Bottrop Boy-Welheim, Gladbeck Butendorf, in Gelsenkirchen Bismarck/Schalke-Nord sowie Recklinghausen-Hochlarmark.



Seit Ratingen-West als „Armutsviertel“ ins Förderprogramm der NRW-Stadtentwicklungsministerin Ilse Brusis aufgenommen worden ist, erhitzen sich die Gemüter.
Für zahlreiche Einwohner von Ratingen-West war es schlicht eine Beleidigung, wie ein Bericht des WDR deutlich machte. In einem Interview mit der Rheinischen Post kam auch Herwig Tackenberg, der 1. Vorsitzende der KG Anger Garde, zu diesem Thema zu Wort und verteidigte unseren Stadtteil.
Recherchen haben jedoch leider ein etwas anderes Bild ergeben: Die Ministerin hat so unrecht nicht! Es gibt in West noch viel zu tun …

Hier ist sie nun, die wahre Situation in West,
ganz schonungsos offengelegt in der „Schlagzeile des Tages“ ;-):


Lebensqualität in West läßt
viel zu wünschen übrig

Es gibt weder Prachtboulevard
noch Universität

Von PETRA GRÜNENDAHL

RATINGEN WEST. Gelangweilt sitzt die 9jährige Lisa Baumann mit ihren Freundinnen Sadid und Manuela vor dem Fernseher. Sie wissen nicht, was sie an diesem schönen, sonnigen Nachmittag anfangen sollen. Zu nichts haben sie Lust!

Schlimm sind die Zustände im Stadtteil West, der „Bronx“ der etwa 90.000 Einwohner zählenden Stadt Ratingen. In fröhlich-bunten Farben erheben sich die teilweise bis zu 15stöckigen Wohngebäude zwischen Grünflächen und Spielplätzen, Schulzentrum und Kirchen, Einfamilienhäusern, Einkaufszentren und Parkzonen.

Lisa lebt hier mit Vater Gert, Mutter Kathrin und den Geschwistern Annette (18) und Jörg (13) in einer 100qm-Wohnung mit Balkon. Jedes der drei Kinder hat ein eigenes, kleines Zimmer. Zum Spielen mit mehr als einer oder zwei Freundinnen ist das Zimmer für die 9jährige jedoch etwas klein. Das macht keinen Spaß!

Zu wenig Freizeitangebote

Überhaupt, auch das Freizeitangebot im Stadtteil läßt sehr zu wünschen übrig. Lediglich eine Eissporthalle, das Sportzentrum an der Gothaer Straße und der Erholungspark Volkardey laden zu sportlicher Betätigung. Kein Hallenbad, kein Freibad – darum kann man die Bewohner von Ratingen-Mitte und Lintorf nur beneiden. Allein der Grüne See zieht im Sommer die Badegäste an, aber dort zahlt der Bürger noch nicht einmal Eintritt. Zustände sind das!

Sportvereine sind Mangelware: Der Windsurfingclub Volkardey, die Sportschützengemeinschaft West, der Reitverein Volkardey und der ASC West. Fußball, Volleyball, Basketball und Eishockey, Leichtathletik, Gymnastik und Turnen sowie Judo und Karate, Badminton, Tischtennis und Tennis – das ist nur eine Auswahl. Was in West noch fehlt, sind Handball, der Schwimmverein und – ein Golfplatz.

Noch keine Meistertitel nach West

Sportlich Hochklassiges hat West auch nicht zu bieten! Der Bundesligist HSV Düsseldorf spielt zwar seit einigen Jahren in der Sporthalle an der Gothaer Straße, trägt jedoch Ratingen-West immer noch nicht im Namen.
Und auch die Ratinger Löwen, obgleich seit fünf Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse, haben es noch immer nicht zu Meisterehren gebracht. Unwesentlich dabei ist, daß die meisten anderen DEL-Vereine auch keinen Meistertitel holen konnten. Daß man jedoch Eishockey ohne Meisterschale nicht genießen kann, die DEG-Fans machen es vor …

Schulangebot unzureichend

Auch die Bildungsmöglichkeiten sind in West sehr beschränkt. Die Hauptschule ist vor einigen Jahren nach Lintorf verlegt und mit der dortigen Heinrich-Heine-Schule zusammengelegt worden. Für Jörg blieb nur die Städtische Gesamtschule, da er nicht jeden Tag bis Lintorf fahren wollte. Aber das ist natürlich kein Ersatz!
Lisa hat da mehr Glück. Sie kann die Käthe-Kollwitz-Realschule besuchen, wenn sie im Sommer die Grundschule verläßt. Annette wird im nächsten Jahr am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Abitur machen. Besonders schmerzlich vermißt sie eine Universität. Nach Düsseldorf oder Duisburg wird sie gehen müssen, um zu studieren.

Auch für die Jüngsten und die Senioren sieht es nicht gut aus. Nur vier Kindergärten, ein Kinderzentrum, unzählige kleine Spielplätze, gar ein Abenteuerspielplatz, für die Jugendlichen der Jugendclub, kirchliche und städtische Seniorentreffs für die älteren – indiskutabel klein ist das Angebot. keine Oper runden das Angebot ab! Nein, in die umliegenden Städte muß der Einwohner von West fahren.

Kulturell und wirtschaftlich „tote Hose“

Was vor allem fehlt, sind die kulturellen Hochgenüsse. Ein bißchen Kabarett von den Westhäkchen, auch Dieter Nuhr war hier schon zu Gast. Ansonsten nur Schülerbands, Schultheater, aber kein großes Orchester und kein Gesangverein. Keine Museen, kein großes Theater und keine Oper runden das Angebot ab! Nein,in die umliegenden Städte muß der Einwohner von West fahren.

Aber auch mit dem „Fahren“ ist das so eine Sache. Der öffentliche Personennahverkehr ist dürftig. Direkte Verbindungen gibt es nur nach Ratingen-Mitte und Ost, Tiefenbroich, Lintorf, zum Düsseldorfer Hauptbahnhof und zum Flughafen. Für Fahrten in andere Stadtteile oder nach Essen muß man umsteigen, nach Duisburg gibt es keine Verbindung.

Arbeitsplätze sind hier rar gesät. Vater Gert und Mutter Kathrin haben da noch Glück. Gert Baumann arbeitet als Angestellter im Industriegebiet von West, Mutter Kathrin als Verkäuferin am Berliner Platz. Demnächst wird Aldi mit einem neuen Geschäft weitere Arbeitsplätze ins Zentrum von West bringen, aber das hilft auch nicht viel. Die meisten Erwerbstätigen unter den fast 22.000 Bewohnern müssen außerhalb arbeiten: in Ratingen oder Düsseldorf, Arbeitsplätze, die mit dem Auto oft keine halbe Stunde entfernt sind.

Keine Nobelboutiquen

Selbst mit den Einkaufsmöglichkeiten ist das so eine Sache: Continent, Obi, Roller, Uni Polster und Möbel Mehlmann liegen nicht in der Mitte, sondern am Rand von West. Im Zentrum finden sich zwei Einkaufszentren am Berliner Platz und Erfurter Straße/Jenaer Straße – Schandflecke sondergleichen. Weder der Berliner Platz noch Erfurter Straße/Jenaer Straße können an Exklusivität mit der Königsallee in Düsseldorf mithalten. Kein überteuertes Angebot, der Standort muß nicht mitbezahlt werden, keine Flaniermeile für die Schickeria – nur Leute wie du und ich!

Nicht nur die Flaniermeile fehlt, auch das Villenviertel. Da tut es auch kein Grachtenviertel mit Einfamilien-Reihenhäusern und kleinen Bungalows. Freistehend und mit riesigem Garten herum, von Mauern umgebene Grundstücke, das wäre was. Aber so? Die Wohnungen und Häuser sollten bezahlbar sein.

Das hat seinen Preis: Dafür mögen die „Oberen Zehntausend“ nämlich hier nicht leben. Gekauft haben diese Reihenhäuser Arbeiter und Angestellte, die nicht wie Krösus Geld scheffeln.

Viele Leute mit wenig Geld leben hier, vor allem in den großen Wohnhäusern: Alleinerziehende, kinderreiche Familien, viele Sozialhilfeempfänger, Aussiedler, Asylanten und Ausländer, die überwiegend friedlich miteinander leben. Für Krawallmacher und Unruhestifter ist in West kein Platz.

Zwar sind der Stadtteil und seine Wohnhäuser mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, aber sind 28 Jahre noch kein Alter – und Tradition kann man West damit noch nicht zugestehen. Bis hier Häuser unter Denkmalschutz gestellt werden, daß kann noch ein paar hundert Jahre dauern.

Auch das Brauchtum hat hier keine Tradition. Die Karnevalsgesellschaft Anger Garde wird in der kommenden Session erst ihren ersten närrischen Geburtstag, die 1 x 11 Jahre, feiern können. Und eine Schützenbruderschaft hat der Stadtteil gar nicht zu bieten.

Ministermillionen retten West vor dem Untergang

Probleme und Unzulänglichkeiten an allen Ecken und Enden. Und das in einem Stadtteil mit 21.800 Einwohnern. Welch ein Glück, daß die Stadtentwicklungsministerin Ilse Brusis Erbarmen mit diesem heruntergekommenen Stadtteil hat. Zusammen mit 20 anderen Armutsvierteln in NRW hat das Ministerium West in ein Landesförderprogramm aufgenommen. Jetzt kann es endlich etwas werden – mit dem Ausbau von West zur Weltmetropole!


© Juni 1996 Petra Grünendahl

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