Wirtschaft & Verbraucher

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© 1997 Petra Grünendahl


Vor Weihachten wieder viele Haustür-Werber unterwegs

Alle Jahre wieder kommen in der Vorweihnachtszeit wieder die Aufrufe zahlreicher Organisationen, für karitative Zwecke zu spenden. Bei mehr als 2.000 überregional sammelnden Organisationen fällt es allerdings schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zahlreiche Beratungsstellen der Verbraucher-Zentralen geben Hilfestellung, um Spendenwilligen die Entscheidung zu erleichtern.

Sammler- und Personalausweis sollten Sie sich bei Bargeldsammlungen stets zeigen lassen, raten Experten. „Stimmen diese namentlich nicht überein oder sind nur fotokopiert, ist Mißtrauen angebracht. Fragen sollte man auch nach der behördlichen Genehmigung. Sammelbüchsen müssen zudem verplombt sein und den Namen der Organisation tragen“, so die Verbraucherschützer.

Vorsichtig sollte man nicht nur bei Barsammlungen sein, sondern auch bei Fördermitgliedschaften. Oft muß man ein bis zwei Jahre zahlen, bis die Fördermitgliedschaft wieder gekündigt werden kann. Und nicht selten fließt ein Großteil der Mitgliedsbeiträge nach Angabe der Verbraucher-Zentralen in die Kassen der Unternehmen, die mit der Mitgliedswerbung beauftragt wurden.

Aufforderungen zu Spenden, bei denen Druck ausgeübt wird, sind immer unseriös und sollten ignoriert werden. Wenn überhaupt sollten Sie sich ein Überweisungs- oder Antragsformular mitgeben lassen.

Seriös arbeitende Organisationen schicken Ihnen auf Anfrage auch ihren Geschäftsbericht zu. Daraus gehen der Verwendungszweck der Spenden und Mitgliedsbeiträge hervor ebenso wie die Höhe der Verwaltungskosten. Diese sollten deutlich unter 35 Prozent liegen.

Als Orientierungshilfe kann auch das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) in Berlin dienen. Für der Mark in Briefmarken können Sie eine Liste beim
DZI, Bernadottestr. 94, 14195 Berlin
anfordern, die förderungswürdige Organisationen nennt. Allerdings sind nur humanitäre Organisationen in dieser Liste enthalten. Umweltschutzverbände oder lokale Initiativen werden nicht erfaßt.

Und noch etwas: nicht nur Werber für karitative Zwecke sind um diese Jahreszeit verstärkt unterwegs. Auch Drückerkolonnen für Zeitschriften-Abos und ähnliches nutzen die Gunst der Stunde. Mit den „Notlage“-Geschichten versuchen sie, Abos zu verkaufen. Seien Sie darauf gefaßt und lassen Sie sich nichts aufschwatzen, was Sie nicht brauchen.

© 1997 Petra Grünendahl



„Für die Wäsche bei 30, 60 und 95 Grad …“,

hieß es in den siebziger Jahren in der Waschmittel-Werbung bei Clementine. Clementine wirbt auch heute noch fürs Waschmittel, aber die 95 Grad-Kochwäsche ist mittlerweile out.

Umweltbewußte Menschen behaupten schon lange, daß die Wäsche auch bei 60 Grad sauber wird. Nur wenige Skeptiker halten es noch mit der Keimfreiheit der Kochwäsche auf 95 Grad.

Zwei Wissenschaftler von der Hautklinik der Städtischen Krankenanstalten Ludwigshafen haben herausgefunden, daß bereits bei 60 Grad unter Verwendung eines handelsüblichen Waschmittels selbst Pilzsporen zuverlässig abgetötet werden.

In ihren Untersuchungen wiesen die beiden nach, daß keine an Haut und Nägeln vorkommende Pilzart eine Wassertemperatur von 60 Grad aushält. Deshalb erübrigt sich auch bei einer Pilzinfektion das Kochen der Unterwäsche und Strümpfen. Separates Waschen ist nicht erforderlich. Bei 40 Grad überlebten dagegen fast alle Pilze.

Kochwäsche bei 60 Grad macht nicht nur sauber und schont die Umwelt, sondern auch Ihren Geldbeutel, da Ihre Waschmaschine weniger Strom braucht.

© 1997 Petra Grünendahl



Online-Banking soll einfacher und sicherer werden

HBCI-System (Home Banking Computer Interface) heißt das neue Zauberwort, welches Online-Banking vom heimischen PC sicherer machen soll. Spätestens 1998 soll es den Kunden höhere Datensicherheit, eine größere Angebotspalette sowie Verträglichkeit mit allen Computersystemen, Online-Diensten und dem Internet bringen.

Seit gut 10 Jahren können Kunden Bankgeschäfte über PC tätigen. Hatte bislang die Deutsche Telekom über ihren Dienst T-Online quasi ein Vermittlungsmonopol, so drängen jetzt auch Konkurrenten wie AOL oder Compuserve in den Markt. Online-Dienst sind als geschlossenen Dienste prädestiniert für Online-Banking, während dem Internet bislang ein standardisiertes und einigermaßen sicheres Verfahren fehlte.

Die fehlende Datensicherheit – auch Online-Dienste sind gegen Mißbrauch nicht imun – sowei das bislang begrenzte Spektrum der Transaktionsmöglichkeiten im Netz sind weitere Gründe, warum bislang erst 2,5 Millionen der 64 Millionen privaten Konten elektronisch geführt werden. Das soll HBCI ändern.

In der Sicherheitstechnik brechen neue Zeiten an: Die Tage von PIN (persönliche Identifikationsnummer) und TAN (Transaktionsnummer) sind gezählt. Die Zukunft liegt im RSA-Verfahren: Mit einem privaten Schlüssel (Chipkarte oder Diskette) versieht der Kunde den Auftrag an seine Bank mit einer überprüfbaren elektronischen Signatur.

Auch soll Online-Banking künftig nicht mehr nur über PC möglich sein, sondern auch über den Fernseher zusammen mit einer Set-Top-Box für Digital-TV sowie sogenannten „Smartphones“. Allerdings braucht der Kunde für HBCI neue Software, die entweder von den Banken bereitgestellt oder im Fachhandel zu kaufen sein wird.

© 1997 Petra Grünendahl



Gute Zeiten für Häuslebauer: Hypothekenzinsen im Tief

Wer mit dem Gedanken spielt, ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen, sollte sich schnell entscheiden. Die Hypothekenzinsen haben einen neuen Tiefstand erreicht. Wer sich zum Beispiel bei der Deutschen Pfand- und Hypothekenbank für fünf Jahre bindet, zahlt effektiv 5,53 Prozent, bei zehnjähriger Festschreibung kostet der Kredit 6,53 Prozent. Auch bei anderen Hypothekenbanken ist Baugeld ähnlich günstig zu bekommen.

Immobilienexperten raten, bei solchen Konditionen schnell zuzugreifen und sich langfristig zu binden. Denn nur einmal waren die Hypothekenkredite günstiger: Anfang 1978 lagen die Zinsen schon einmal bei unter sechs Prozent, aber dieser Niedrigzinsphase folgte bald eine beispiellose Hochzinsphase, in der Bauherren mit 10 bis 12 Prozent belastet wurden.

Experten gehen außerdem nicht davon aus, daß die Zinsen weiter sinken. Wegen der günstigen Zinsen wird allerdings in Deutschland im Moment eifrig gebaut. Bis zur Jahresmitte haben die Hypothekenbanken Darlehen in Höhe von 46,8 Milliarden Mark vergeben, ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Rekordjahr 1996.

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Das Sommerloch: „Euro verschieben“

Die Diskussion um die Einführung des Euro hält an. Zur Zeit weniger in Bonn als in Dresden und München.

Jetzt haben sich die Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (Sachsen) und Edmund Stoiber (Bayern) zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Beide plädierten für eine Verschiebung des Euro.

Stoiber zog es vor, die Kriterien für den Euro einzuhalten anstatt den Euro auf Biegen und Brechen nach Terminplan einzuführen. Biedenkopf sprach sich für einen „Probelauf“ mit festen Wechselkursen aus. „Die Euro-Kandidaten können beweisen, ob sie zu Strukturreformen fähig sind (Anm. der Red.: Bislang erfüllt kein Land sämtliche Kriterien) und über mehrere Jahre die Kriterien einhalten könnten“, so Biedenkopf.

Auf einem europäischen Binnenmarkt macht eine einheitliche Währung Sinn, weil Risiken und Wettbewerbsverzerrungen durch Währungsschwankungen bzw. eine Über- oder Unterbewertung der D-Mark wegfallen. Voraussetzung ist jedoch ein starker Euro und das Vertrauen der Bürger in die neue Währung.

Im Moment bringen die Angst vor dem Euro und die Flucht in den Dollar und ins britische Pfund – in beiden Ländern kommt der Aufschwung so langsam in Gang – die D-Mark an den Devisenbörsen ins Rutschen.

Bundesfinanzminister Theo Waigel greift gerne zum Totschlagsargument: Wer jetzt verschiebt, verschiebt für immer. Damit macht er sich die Sache wohl ein bißchen zu einfach.

Die Mehrheit der Deutschen glaubt (bislang) nicht an einen – im Vergleich zur D-Mark – starken Euro (73 Prozent). Die meisten (51 Prozent) befürchten eine Geldentwertung. Das ergab eine Umfrage des Wickert-Instituts.

Die anhaltende Diskussion um eine Einführung, aber auch zu wenig (brauchbare) Informationen sind dem Glauben an eine starke Währung eher abträglich. Sowohl die buchstabengetreue Auslegung des Maastricht-Vertrages (Stichwort: max. 3,0 Prozent Defizit beim Bruttoinlandsprodukt), wie auch die diskutierten Tricks zur Erfüllung der Kriterien (Stichwort: Neubewertung der Goldreserven) zeigen die Kurzsichtigkeit der Politiker. Solche „tagespolitischen“ Erfolge untergraben nicht nur das Vertrauen in den Euro, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Politiker …

© 1997 Petra Grünendahl




Vorbereitungen zur Einführung des Euro laufen bereits

Noch steht gar nicht fest, ob Deutschland in den Kreis der Länder aufgenommen wird, die zum 1.1.99 die Europäische Währungsunion starten. Erst Anfang 1998 soll diese Entscheidung fallen.

So lange können weder Unternehmen noch die Behörden warten. Unabhängig von der endgültigen Entscheidung bereiten sie sich schon jetzt auf die Währungsunion vor. Softwareprogramme müssen angepaßt, Formulare und Bescheide neu gedruckt, Parkscheinautomaten umgestellt werden und Vieles mehr.

Die Anpassung der EDV wird bei einigen Unternehmen und Verwaltungen zur Jahrtausendwende sowieso fällig, da deren EDV-Systeme noch mit zweistelligen Jahreszahlen arbeiten. Trotzdem kommen natürlich erhebliche Mehrkosten auf sie zu.

Wer neue Formulare oder Dokumente drucken lassen muß, weist schon heute den Euro mit aus, denn niemand will 1999 Unmengen von Papier vernichten müssen, bloß weil nicht „Euro“ draufsteht.

Im Portemonnaie wird die D-Mark noch etwas länger Hausrecht haben, denn als Bargeld wird der Euro nicht sofort vorliegen. Spätestens jedoch zum 1.1.2002 soll es den Euro auch in Scheinen und Münzen geben und nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist, in der D-Mark und Euro gelten, die gute alte D-Mark ganz verschwinden.

Ob der Bürger in der sechsmonatigen Übergangsfrist jedoch tatsächlich überall in D-Mark und Euro bezahlen kann, ist mehr als fraglich, denn Behörden und Wirtschaft würden die Doppelwährungsphase gerne wegen des enormen Verwaltungs- und Kostenaufwandes verkürzen.

© 1997 Petra Grünendahl

pet 2014

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